Warum englische Klubs 2025/26 in der UEFA-Wertung dominieren
England steht seit 2022 unangefochten an der Spitze der UEFA-5-Jahreswertung — und dieser Vorsprung wächst, statt zu schrumpfen. Das ist bemerkenswert, weil die Spanier Anfang der 2010er und die deutsche Bundesliga 2012-2014 ähnliche Phasen hatten und keine davon über mehr als drei Saisons gehalten hat. Was macht die englische Dominanz strukturell unterschiedlich? Diese Analyse schaut auf die wirtschaftlichen, sportlichen und Format-bedingten Faktoren.
Die wirtschaftliche Basis: TV-Einnahmen
Die wichtigste Zahl: Premier-League-Klubs verdienen aus TV-Rechten zusammen etwa 4,2 Milliarden Euro pro Saison (Saison 2024/25). Bundesliga, La Liga und Serie A liegen jeweils bei 1,2 bis 1,6 Milliarden. Die Lücke ist nicht ein bisschen groß — sie ist 3x so groß wie bei jedem einzelnen anderen Top-Verband.
Diese Einnahmen verteilen sich relativ gleichmäßig: der Premier-League-Klub auf Platz 20 bekommt etwa 110 Millionen Euro TV-Einnahmen pro Saison — mehr als jeder Bundesliga-Klub außer Bayern und Dortmund. Die Konsequenz: jeder Premier-League-Klub kann sich Spieler auf einem Niveau leisten, das in anderen Ligen nur die Top-3 oder Top-4 erreichen.
Für UEFA-Koeffizienten heißt das: Englands europäische Vertreter sind nicht nur an der Spitze stark, sondern überall auf hohem Niveau. Ein typischer Premier-League- Sechster ist im Europa-Pokal kompetitiver als ein typischer Bundesliga-Sechster.
Kadertiefe: der unsichtbare Faktor
Eine direkte Folge der wirtschaftlichen Übermacht: englische Top-Klubs haben deutlich breitere Kader. Manchester City spielte 2023/24 mit etwa 22 Profis auf hohem Niveau — mit der Konsequenz, dass Verletzungen, Sperren oder Müdigkeit selten zum Punkteverlust in europäischen Spielen führen.
Das Gegenbeispiel: Bayer Leverkusens spektakuläre Saison 2023/24 mit der EL-Final-Teilnahme und ungeschlagenen Bundesliga-Saison endete im Final gegen Atalanta — weil Leverkusen keinen vergleichbar tiefen Kader hatte und die Saisonende-Kraft fehlte. Diese Geschichte wiederholt sich für mittlere Bundesliga-, Serie-A- und La-Liga-Klubs Jahr für Jahr.
CL-Format-Update 2024 verstärkt den Effekt
Das neue Champions-League-Format mit 8 statt 6 Liga-Phase-Spielen multipliziert Englands strukturellen Vorteil. Mit 4-5 Klubs in der Liga-Phase bekommt England jetzt 32-40 zusätzliche Spiele pro Saison im Vergleich zur 6-Spiele-Gruppenphase. Bei einer durchschnittlichen Punktrate von ~1,2 Punkten pro Spiel (basierend auf 2022-2024 Daten) sind das 38-48 zusätzliche Verbandspunkte pro Saison — was den Abstand zu Italien um etwa 1,5 Saisonkoeffizienten erhöht.
Plus: Englands typischerweise 7-8 europäischen Vertreter (CL + EL + UECL kombiniert) bekommen jeder mehr Spiele als zuvor. Das bedeutet auch in den schwächsten Saisons bleibt der Verbandskoeffizient hoch.
Der EPS-Bonus 2024/25 als Bestätigung
In der Saison 2024/25 erhielt England den Extra-Champions-League-Platz durch das EPS-System, weil englische Klubs den höchsten durchschnittlichen Saison-Koeffizienten lieferten. Konkret: Englands acht europäische Vertreter (Manchester City, Arsenal, Liverpool, Aston Villa, Chelsea in CL/EL; Brighton, Crystal Palace und West Ham in UECL/EL) erzielten zusammen einen Saison-Koeffizienten von ~17,2 Punkten — der höchste Saisonwert des gesamten Wettbewerbs.
Damit hat England für 2025/26 tatsächlich 5 CL-Direktplätze plus den traditionellen Cup-Sieger-Pfad in der EL. Das ist eine strukturelle Premierleague-Dominanz, die kurzfristig nicht zu brechen ist.
Was den Vorsprung schwächen könnte
Zwei Szenarien könnten Englands Position innerhalb von 2-3 Jahren bedrohen:
- Italienischer Coefficient-Boom hält an. 2022/23 lieferte Italien drei Finalisten in einer Saison — was zwar selten ist, aber zeigt: bei einer Saison mit Inter im CL-Final, Roma im EL-Final und Florenz im UECL-Final würde der italienische Koeffizient den englischen erreichen. Wahrscheinlich? Eher unwahrscheinlich pro einzelner Saison, aber realistisch über 2-3 Saisons hinweg.
- Premier-League-Krisen. Wenn 2-3 englische Klubs gleichzeitig in Finanzkrisen geraten (Manchester United als aktuelles Beispiel) oder wenn FFP-Strafen kombiniert mit globalen TV-Markt-Trends die Kaufkraft reduzieren, würde die Lücke schrumpfen. Aber das ist ein langsamer Prozess.
Realistisch: Englands Position als Nummer 1 ist für die nächsten 3-5 Saisons sehr sicher, mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 75 % laut den aktuellen 5-Jahres-Wertung-Trends.
Was das für andere Verbände bedeutet
Italien hat den klarsten Pfad zu Platz 2, gestützt durch defensiv-taktische Stärke, die zum neuen CL-Format passt. Spanien wird wahrscheinlich auf Platz 3-4 stagnieren, bis Barcelonas finanzielle Erholung Klarheit bringt. Deutschland hat eine reale Chance auf Platz 3, falls Leverkusen sich stabilisiert und Bayern nicht in eine Übergangs-Phase gerät.
Für kleinere Verbände (Niederlande, Portugal, Belgien) bedeutet die englische Dominanz: die obere Hälfte des Rankings ist verstopft, Aufstiegswege sind schmal. Die Strategie muss sein, die eigene Position innerhalb der "zweiten Liga" der Verbände zu stabilisieren (Platz 7-12), um die Champions-League-Plätze zu sichern.
Live-Daten
Auf der Englands-Länderseite findest du die aktuellen Saisonbeiträge aller Premier-League-Klubs in den europäischen Wettbewerben. Auf der Hauptseite ist die laufende 5-Jahres-Wertung mit dem englischen Vorsprung visualisiert.